„Quote sollte kein Tabu sein"

100 Jahre Frauenwahlrecht

„Quote sollte kein Tabu sein"

Seit dem 12. November 1918 dürfen Frauen wählen – wie hat sich ihre Rolle in der Politik seitdem verändert? Und was muss noch geschehen?

13. November 2018

Der 12. November ist die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland. Über die Stellung von Frauen, die nun, 100 Jahre später, nicht mehr nur Politiker wählen, sondern selbst Politik machen, sprach unser Vorstand Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit verschiedenen Medien.

„Die tatsächliche Teilhabe von Frauen ist im derzeitigen Bundestag leider mit knapp 30 Prozent so schlecht wie lange nicht“, sagte die Politikerin der . Dagegen könnte eine Quote helfen, denn in einigen Parteien hätte die Quote den Frauenanteil natürlich vergrößert. „Ich bin als Liberale kein Fan der Quote, Wettbewerb und Überzeugung stehen für mich ganz oben, aber ich muss nüchtern konstatieren, dass es ohne Quote noch Jahrzehnte dauert, bis es mehr Frauen in den Parlamenten gibt.“ Leutheusser-Schnarrenberger resümiert: „Also sollte die Quote auch für die FDP kein Tabu sein, oder wir bleiben bei den mickrigen 20 bis 24 Prozent Frauen.“

Auf die Frage, wie sich der Einfluss von Frauen in der Politik verändert hat seitdem, antwortete die ehemalige Justizministerin im : „Anders als 1989 mit dem Wahlrecht und 1949 mit dem Gleichberechtigungsartikel im Grundgesetz, Art. 3, ist es heute selbstverständlich, dass Frauen die gleichen Aufgaben wie Männer übernehmen können. Auch eine deutsche Bundespräsidentin ist nichts, was nicht auch vorstellbar ist. Das war, auch zu Beginn dieser Bundesrepublik Deutschland in den 1950er und 1960er Jahren undenkbar. Denn da entschied ja nach dem geltenden Familienrecht noch der Mann, ob die Frau überhaupt arbeiten darf.“

Mittlerweile sind nicht mehr nur die „weichen“ Ressorts von Frauen besetzt, sondern auch die „klassischen“:  „Ich war damals 1992 die erste Ministerin in einem damals noch sogenannten klassischen Ressort“, berichtet Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. „Natürlich kann eine Frau Verteidigungsminister, die kann Außerminister, die kann jedes Ressort, also auch jedes Fachgebiet und Gott sei Dank gibt es keine Begrenzungen mehr, auch was die Ausbildung angeht.“ 

Deshalb kann auch eine Förderung von Frauen sinnvoll sein, sagt die Politikerin: „Wir erleben es ja, in Aufsichtsräten sitzen jetzt mehr Frauen, weil eben vorgegeben wurde, es müssen dort mehr Frauen sein. Man hat den Unternehmen Zeiträume gegeben, man hat damit auch bei Unternehmen das Bewusstsein dafür geschärft.  Das ist jetzt nicht mehr nur eine aufgezwungene Verbesserung durch mehr Frauen, das kommt dem Unternehmen selbst zugute. Also ja, auch solch eine aktive Förderung kann auch ganz deutlich ein Bewusstseinswandel eintreten und das unterstützen.“

Welcher weiteren Verbesserungen es noch bedarf und wie schwer der Kampf um Gleichstellung war und ist, berichtet Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auch in der  „100 Jahre Frauenwahlrecht“.