„Was für eine Granate dieser Mann war“

Die Stiftung für die Freiheit würdigt Thomas Dehler zum 50. Todestag

„Was für eine Granate dieser Mann war“

Die Meilensteine seiner Biografie kann man schnell erzählen: 1897 in Lichtenfels geboren, Rechtsanwalt, Mitbegründer der FDP in Bayern, 1949 zum ersten Justizminister der BRD ernannt, von 1954-57 Bundesvorsitzender der FDP. Doch wer war der Mann hinter diesen Zahlen? Wer war Thomas Dehler, die große liberale Ikone, die am 21. Juli vor 50 Jahren gestorben ist? Und was können wir heute von ihm lernen?

24. Juli 2017

Kaum jemand der Gäste der Gedenkfeier im vollbesetzten ETA Hoffmann Theater in Bamberg kannte Thomas Dehler noch persönlich. Dennoch zeichneten die Redner ein lebendiges Bild des Mannes, der in schweren Zeiten für seine Überzeugungen eingestanden ist und der die noch junge Bundesrepublik entscheidend prägte.  

In einem waren sich alle einig: Thomas Dehler hat mit seiner Meinung wahrlich nicht hinter dem Berg gehalten. Wortgewaltig, polternd und lautstark kochte sein Temperament in zahlreichen Reden und Debatten hoch. Wenn er austeilte, mussten sowohl politische Freunde wie auch politische Feinde einstecken. Als „Grantler“ würde man ihn vielleicht heute in seinem heimischen fränkischen Dialekt treffend bezeichnen. „Ich kann einfach nicht anders“, soll er selbst gesagt haben, „Ich gehe zum Mikrofon und dann überkommt es mich und sprudelt einfach aus mir heraus.“

Der Dehler aus Lichtenfels

In ihrem Grußwort stellte die zweite Bürgermeisterin der Stadt Lichtenfels eine andere Seite Dehlers heraus: Nämlich die des heimatverbundenen Franken, der seinem Geburtsort stets ein „warmes Gefühl der Verbundenheit“ entgegengebracht habe.  Als „der Dehler aus Lichtenfels“ habe er sich Fremden vorgestellt, unter diesem Namen war er auch im nahen Bamberg bekannt, wo er als Junge zur Schule gegangen und später als Rechtsanwalt und Präsident des Oberlandesgerichts gearbeitet hat.

Während der Kranzniederlegung an Dehlers Grab am 21. Juli würdigte auch Lichtenfels erster Bürgermeister Andreas Hügerlich bei strahlendem Sonnenschein den liberalen Politiker als „einen der größten Bürger der Stadt“. Der zweite Bürgermeister der Stadt Bamberg, Christian Lange, wies in seiner Rede im Bamberger ETA Hoffmann Theater darauf hin, dass er in einer sehr schwierigen Zeit Beeindruckendes geleistet habe. Denn während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Dehler, der mit einer Halbjüdin verheiratet war und nach wie vor jüdische Mandanten annahm, als „Judenanwalt“ öffentlich diffamiert und mehrfach verhaftet. Dennoch blieb er stets seinen Überzeugungen treu und hat allen Repressionen standgehalten. Für Lange ist die Erinnerung an Thomas Dehler auch heute noch die Aufforderung, „sich für Recht und Freiheit einzusetzen.“ Bezeichnend in diesem Zusammenhang auch Dehlers Eröffnung des Bundesgerichtshofs als Justizminister:  "Ich will keine loyalen Richter, sondern Richter, die den Mut haben, illoyal zu sein gegen das Unrecht."

(Quelle: )

Einsatz für einen wehrhaften Rechtsstaat

Ursprünglich sollte der Bundesvorsitzende der FDP, Christian Lindner, an dieser Stelle zu Thomas Dehler sprechen. Leider kurzfristig verhindert, übernahm der Landesvorsitzende der FDP in Bayern, Albert Duin, dessen Platz. Auch Duin betonte seine Bewunderung für Thomas Dehlers Standhaftigkeit zur Zeit des Nationalsozialismus: „Was für eine Granate dieser Mann war, der sich getraut hat, dem NS-Regime entgegenzustehen. Ich weiß nicht, ob ich an seiner Stelle diesen Mut gehabt hätte“, so Duin. Zudem betonte er einen von Dehlers großen Verdiensten, seinen vehementen Einsatz für die endgültige Abschaffung der odesstrafe. „Man könnte ihn heute wirklich gut gebrauchen“, schlussfolgert Albert Duin: „Ich würde ich mir manchmal wünschen, dass man sich die Wahrheit ordentlich um die Ohren haut, anstatt alles weichzuspülen“.

Auch Bundesjustizministerin a.D., Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die in einer Videobotschaft zugeschalten war, hat sich Dehlers Andenken in ihrer Amtszeit zu Herzen genommen: „ Für seinen Einsatz um einen wehrhaften Rechtsstaat war er definitiv ein Vorbild für mich“, so die ehemalige Justizministerin.

„Wir brauchen Menschen wie Thomas Dehler“

Thomas Hacker, Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung, ging insbesondere auf eine Herzensangelegenheit Dehlers ein: Die deutsche Einheit, für die er sich Zeit seines Lebens einsetzte und darüber auch seine großen Kontroverse mit Konrad Adenauer führte. Schon Hans-Dietrich Genscher schrieb einst über Thomas Dehler: „Er war der, der mit Leidenschaft um die Einheit Deutschlands rang. Und deshalb gehört er für mich zu den ganz Großen in der Parteigeschichte der FDP."

Und was kann uns Thomas Dehler heute mitgeben? Laut Thomas Hacker auf jeden Fall zwei Dinge: „Zum einen die Heimatliebe, die ihn so ausgezeichnet hat. Zum anderen seine Standhaftigkeit und seine unbedingte Überzeugung für die Dinge einzutreten, von denen er überzeugt war. Wir brauchen Menschen wie Thomas Dehler. Denn er hat stets gewusst, dass staatliches Handeln vor allem einem dienen muss: Der Freiheit des Einzelnen.“