"Der Rechtspopulismus droht weltweit unsere politische Kultur zu vergiften."

Lesung aus den Werken von Ernst Toller

"Der Rechtspopulismus droht weltweit unsere politische Kultur zu vergiften."

Wie lassen sich Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus im Jahre 2017 erfolgreich bekämpfen? Indem das Erinnern an die Vergangenheit lebendig gehalten wird. „Toleranz und Offenheit für andere Denk- und Sichtweisen sowie andere kulturelle Hintergründe, das wird von jedem von uns immer wieder gefordert. Umso wichtiger ist es, dass wir nicht ein Klima zulassen, dass Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung toleriert. Der Rechtspopulismus droht weltweit unsere politische Kultur zu vergiften,“ so Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

10. Mai 2017

Die makabre Bücherverbrennung, die im Mai 1933 im nationalsozialistischen Deutschland stattfand, ist eine solche Gelegenheit zur Selbstreflexion. Jedes Jahr lesen in vielen Städten Menschen aus Werken vor, die von den Nazis verbrannt und verhöhnt wurden – und hinter denen sich viele einzelne Schicksale verbergen.

Auf dem Münchner Odeonsplatz liest heute Sabine Leutheusser-Schnarrenberger aus einem Text von Ernst Toller vor. Toller ist heute weitgehend vergessen, obwohl er in den zwanziger Jahren der bekannteste deutsche Bühnenautor war. Der Bayerische Rundfunk charakterisierte Tollers Werk einmal so: „Die Sprache seiner Stücke galoppierte im Rhythmus einer von politischen Umwälzungen und rasantem technischen Fortschritt getriebenen Zeit“. Toller erhängte sich 1939 im New Yorker Exil – kurz nach der Besetzung deutscher Truppen des von den Nazis als „Rest-Tscheichei“ verunglimpften Staates.

Toller war Vorsitzender der USPD, Linker, erster Weltkriegssoldat, später Pazifist, Expressionist, dann Vertreter der neuen Sachlichkeit. Er stand wie viele Künstler und Intellektuelle für das „andere Deutschland“. Seine fragmentarische Biographie „Eine Jugend in Deutschland“, aus der Sabine Leutheusser-Schnarrenberger heute vorliest, ist ein Spiegel dieser Zerrissenheit. 

„Ich fasse nicht das Leid, dass der Mensch dem Menschen zufügt“, sagte Ernst Toller - als Dreißigjähriger. Und weiter:  „Es gibt Stunden, da ich schreiend davon laufen möchte vor schrecklichen Bildern, die mich wie Visionen überfallen. Wer keine Kraft zum Traum hat, hat keine Kraft zum Leben“.

Der Dramatiker als Revolutionär, so titelte der Bayerische Rundfunk in seinem Gedenken,  fand die Ruhe im Freitod. „Nicht, weil er schlechtere, sondern weil er feinere Nerven als seine Mitkämpfer gegen den Faschismus hatte“, so beschrieb Sinclair Lewis den Selbstmord in seiner Rede an dem Grab.