Es ist für mich eine große Ehre, zur Verleihung des diesjährigen Münchner Publizistikpreises die Laudatio halten zu dürfen. Und es ist mir eine besondere persönliche Freude, weil ich die Preisträgerin Annette Ramelsberger seit langem in ihrer journalistischen Arbeit kennen und schätzen lernen konnte.
Es wird heute nicht nur eine engagierte, erfahrene Journalistin ausgezeichnet, die seit bald 40 Jahren ihrem Beruf mit großer Leidenschaft nachgeht. Sondern es geht auch um die Würdigung der verfassungsrechtlich geschützten Pressefreiheit und die Arbeit der unabhängigen Medien.
Und es geht um die Auszeichnung des seriösen, faktenbasierten Journalismus, den Annette Ramelsberger so hervorragend verkörpert. Das ist das exakte Gegenteil der allein meinungsgetriebenen Berichterstattung.
Nie war es so wichtig, Presse und Medien in ihrer Bedeutung für die liberale Demokratie zu stärken. Denn noch nie ist ihre Unabhängigkeit weltweit so unter Druck geraten.
Der Vorwurf der angeblichen »Lügenpresse« gehört zum Standardrepertoire der AfD. Im Klartext heißt das, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Staatsfunk diffamiert wird.
In der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit 2025 von Reporter ohne Grenzen belegt Deutschland den 11. Platz weltweit – ein Rückschritt. Deutschland fällt damit aus den Top Ten der Länder mit der höchsten Pressefreiheit.
In den USA wird aus dem Weißen Haus gezielt gegen Journalisten öffentlich Stimmung gemacht. Das trifft auch deutsche Journalisten im Ausland, deren Abberufung von Trump persönlich gefordert wird.
Als politische Journalistin und Gerichtsreporterin hat sich Annette Ramelsberger sehr schnell einen herausragenden Ruf erworben. Sie berichtet nicht im üblichen Stil von Gerichtsverhandlungen – ihr geht es um die gesellschaftlichen Hintergründe.
Sie will nicht die Menschen in den Strafprozessen als ausschließlich Kriminelle darstellen. Jedes Gerichtsverfahren spiegelt auch ein Schicksal wider. Und sie ordnet die Rechtsverstöße gesellschaftspolitisch, sozial und justizpolitisch ein.
Sehr häufig sind Gegenstand ihrer Gerichtsreportagen die Taten von Rechtsextremisten wie des Norwegers Andreas Breivik und der NSU-Mörder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos.
Für ihre Berichterstattung zum NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe hat Annette Ramelsberger 2019 gemeinsam mit ihrem Team den Nannen-Preis erhalten. Ihr Buch »Der NSU-Prozess. Das Protokoll« gilt als Standardwerk.
Annette Ramelsberger erklärt mit ihrer Arbeit auch den Rechtsstaat und wirbt für ihn, indem sie seine Funktion erklärt – Recht zu sprechen ohne Ansehen der Person, für Gerechtigkeit einzustehen.
Bereits 1999 wurde ihr der Theodor-Wolff-Preis verliehen. Im Jahr 2021 erhielt sie den Bayerischen Verdienstorden für ihre langjährige Expertise als Terrorismus-Expertin.
Annette Ramelsberger ist eine würdige Vertreterin ihrer Profession und eine herausragende Repräsentantin des anspruchsvollen Journalismus, der so dringend gebraucht wird.