17. Juni 2010
Die Regierung plant aber keine gesetzliche Quote
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sich gegen eine gesetzliche Frauen-Quote in Aufsichtsräten und Vorständen ausgesprochen. "Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen zunächst auf verbindliche Berichtspflichten und transparente Selbstverpflichtung zu setzen, sagte Leutheusser-Schnarrenberger am Mittwochabend auf der 9. Kodex-Konferenz der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex in Berlin. "Eine gesetzliche Quotenregelung lehne ich zum jetzigen Zeitpunkt ab. Und ich sage ganz deutlich: Wir bereiten eine solche gesetzliche Regelung momentan auch nicht vor, weder im Justiz- noch im Familienministerium."
Statt einer gesetzlichen Quote, die zwar komplex, aber rechtlich durchaus möglich wäre, brauche das Land "einen Mentalitätswandel, der sich gesetzlich nicht anordnen" lasse, sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Die Bundesjustizministerin lobte in diesem Zusammenhang die entsprechende Neuregelung des "Corporate Governance Codex", die nicht nur Bedeutung für börsennotierte Unternehmen habe: "Politisch ist dies wahrscheinlich die letzte Chance, die höhere Präsenz von Frauen in Führungspositionen im Wege der Selbstregulierung zu erreichen."
"Die stärkere Berücksichtigung von Frauen in Führungspositionen ist lange überfällig", sagte Leutheusser-Schnarrenberger. Derzeit sei nicht einmal jedes zehnte Aufsichtsratsmitglied in börsennotierten Unternehmen weiblich. "Noch trauriger" sei das Bild in den Vorstandsetagen dieser Unternehmen, klagte die Bundesjustizministerin - dort säßen deutschlandweit gerade einmal 21 Frauen: "Ohne Raumnot könnte ich zur Vollversammlung in mein Büro einladen", so Leutheusser-Schnarrenberger.
Die Politik dürfe sich freilich nicht darauf beschränken, den Finger auf die Unternehmen zu richten, räumte die Bundesjustizministerin ein: Familienpolitik müsse vielmehr mit guten Rahmenbedingungen sicherstellen, dass Familie und Beruf miteinander vereinbar seien und auch gleichberechtigt von Mann und Frau wahrgenommen werden könnten. "Gestalterisches Sparen darf dieses familienpolitische Ziel nicht aus den Augen verlieren."
Die vollständige Rede können Sie hier abrufen.
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Sabine Leutheusser-Schnarrenberger • Platz der Republik 1 • 11011 Berlin