22. Februar 2010
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bekräftigte in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur ihre Einschätzung, die bisher geltenden Richtlinien der katholischen Kirche zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs seien unzureichend.
Gerade im Interesse der Opfer halte sie es für geboten, nicht erst in erwiesenen Fällen sexuellen Missbrauchs zur Selbstanzeige zu raten oder die Staatsanwaltschaft einzuschalten, sondern bereits in Verdachtsfällen die Strafverfolgungsbehörden zu befassen. Jenseits der Strafverfolgung müsse auch überlegt werden, was man für die Opfer tun könne.
Leutheusser-Schnarrenberger erneuerte ihren Vorschlag, einen Runden Tisch aus Staats-, Kirchen- und Opfervertretern einzurichten. Bereits gegenüber den Tagesthemen und dem Nachrichtenmagazin Spiegel hatte die Ministerin verdeutlicht, mit einem solchen Gremium seien bei der Aufarbeitung von Missbräuchen an Heimkindern erste gute Erfahrungen gemacht worden. "Ich halte das für einen Weg, mit dem die katholische Kirche ihre Verantwortung wirklich wahrnimmt gegenüber den Opfern, für die sonst nichts anderes mehr getan
werden kann." Ein runder Tisch biete der katholischen Kirche auch Gelegenheit, mit den Opfern über freiwillige Entschädigungen ins Gespräch zu kommen.
Die Ministerin betonte, dass sie keinen Runden Tisch anstelle möglicher strafrechtlicher Ver-folgung wolle, das könne "durch nichts ersetzt werden". Sie bekräftigte ihre Offenheit gegenüber weiteren Vorschlägen zur Aufklärung der Missbrauchsfälle. In den letzten Wochen waren zahlreiche Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen bekannt geworden. Die Vorfälle trugen sich in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren
zu, rund 120 Opfer haben sich bereits gemeldet.
Link von DRadio:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1131699/
Foto: BMJ/Chaperon
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Sabine Leutheusser-Schnarrenberger • Platz der Republik 1 • 11011 Berlin