Mit Gerhart Baum verliert die Bundesrepublik Deutschland einen der bedeutendsten liberalen Politiker des 20. und 21. Jahrhunderts. Er ist einer der letzten Zeitzeugen, die an der Entstehung der Freiburger Thesen von 1971 mitgewirkt haben. Bis zu seinem Tod hat er für deren Verwirklichung gekämpft.

Gerhart Baum kam 1932 in Dresden zur Welt, floh im Februar 1945 mit seiner Mutter aus dem Inferno der brennenden Stadt an den Tegernsee nach Bayern. 1954 trat er der Freien Demokratischen Partei (FDP) bei und engagierte sich als Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe.

1966 wurde er Bundesvorsitzender der Deutschen Jungdemokraten und wirkte bei der Erneuerung der FDP aktiv mit. 1972 wurde er von Werner Maihofer als Parlamentarischer Staatssekretär ins Bundesinnenministerium berufen. Nach dessen Rücktritt wurde Baum 1978 sein Nachfolger als Bundesinnenminister.

Er führte in vielen Punkten der inneren Sicherheit die Linie seines Vorgängers fort, setzte aber auch eigene Akzente. Besonders prägend war für ihn der Kampf gegen den Terrorismus der Roten Armee Fraktion.

Als im September 1982 die sozialliberale Koalition unter Kanzler Helmut Schmidt beendet wurde, trat er gemeinsam mit den anderen FDP-Ministern von seinem Amt zurück. Baum blieb dennoch in der Partei und wurde sogar zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt.

Seit dieser Zeit war Baum eine der kritischen Stimmen innerhalb der FDP, der immer wieder an Kernthemen des Liberalismus wie Menschenrechte und Datenschutz erinnerte. 1991 legte er seine Parteiämter nieder. Von 1992 bis 1998 war er Leiter der deutschen Delegation in der UNO-Menschenrechtskommission.

Seitdem arbeitete er eng mit Burkhard Hirsch zusammen, wenn es um Verfassungsbeschwerden wegen der Einschränkung von Bürgerrechten vor dem Bundesverfassungsgericht ging. Diese Arbeit als Anwalt prägte seine letzten Lebensjahrzehnte.

Doch auch die Kultur, vor allem die Musik, lag ihm sehr am Herzen. Lange Jahre war er Vorsitzender des Kulturrats Nordrhein-Westfalen und hat damit die Kulturszene nachdrücklich geprägt und gefördert.

Gerhart Baum war ein vielseitig interessierter Mensch, ein kluger Ratgeber, ein politisches Vorbild und bis zu seinem Tod ein leidenschaftlich engagierter Kämpfer für die Freiheit. Er war ein kritischer Mahner, ein politischer Überzeugungstäter und die soziale Seele des deutschen Liberalismus. Gerhart Baum, dessen Leben ein Spiegel der deutschen Nachkriegsgeschichte war, wird uns allen fehlen.